Karneval weit weg vom Strand

Ich kann nicht verstehen, wie die Leute sich fast bis ins Delirium amüsieren können in einer so chaotischen Situation wie dieser. Ich weiß nicht, warum kein Pressemedium den Mut hat, einen Artikel über diese andere Seite des Festes zu zeigen.

 

Bernardo Mussi

Salvador da Bahia, 16. Februar 2010

Karneval weit weg vom Strand

 

Karnevalesker Kontrast. Foto: Bernardo Mussi

Karnevalesker Kontrast. Foto: Bernardo Mussi

 

Niemals habe ich so viel Müll bei nur einem Fest gesehen. Um das Narrentum zu sehen ging ich vom Strand Porto da Barra bis zum Leuchtturm und werde nie vergessen, was ich sah. Ohne ins Detail zu gehen, um nicht redundant für diejenigen zu erscheinen, die meinen Blog kennen, denke ich, dass man den Anblick in einem Wort zusammenfassen kann: ENTSETZEN!

Ich kann nicht verstehen, wie die Leute sich fast bis ins Delirium amüsieren können in einer so chaotischen Situation wie dieser. Ich weiß nicht, warum kein Pressemedium den Mut hat, einen Artikel über diese andere Seite des Festes zu zeigen.  Apropos, vielleicht ist auch dieser Artikel riskant, denn die Geldgeber des Narrentums, die viel Geld in die Rundfunkanstalten einspritzen, lassen es vermutlich nicht zu, dass irgendeine wirklich negative Nachricht darüber verbreitet wird. Auch aus dem einfachen Grund, weil ein Teil dieser großen Geldgeber diejenigen sind, die am meisten von dem Müll produzieren, den wir auf den Straßen sehen, wie z.B. die Bierbrauer.

Es wäre gerecht, diese Firmen zu verpflichten, die Säuberung während des Karnevals durch Mülltonnen, Container und chemische Toiletten entlang der Route zu unterstützen. Sie sollten auch verpflichtet werden, Aufklärungskampagnen zu verbreiten. Und die Künstler sollten die Narren bitten, informieren und dazu bringen, an diesen Aktionen teilzunehmen.

Es wäre gut, wenn nicht der Eindruck bliebe, dass der Karneval in Bahia gut für die Narren aber noch viel besser für die Künstler und Sponsoren ist, die ihre Millionengeschäfte machen, ohne sich um die Gesundheit unseres Volkes und die Erhaltung unserer Stadt zu scheren. Es muss sich etwas ändern!

 

Karnevalesker Kontrast. Foto: Bernardo Mussi

Karnevalesker Kontrast. Foto: Bernardo Mussi

 

Ich nutze die Gelegenheit um vorzuschlagen, den Karneval von dem Küstenstreifen der Stadt zu entfernen, wobei alle anderen Dinge bleiben, wie sie sind. Der Müll auf den Straßen kann nach dem Fest eingesammelt werden, aber der, der ins Meer gerät, wird ohne jede Lösung weiterhin im Meer schwimmen. Heute, am vorletzten Tag des Karnevals, habe ich einige Kilo Plastikmüll eingesammelt, der zwischen den Stränden Porto da Barra und Farol da Barra schwamm. Und das war nur das, was oben schwamm! Der Großteil des Mülls sind Bierdosen.

Was wäre daher mit einem Oval mit viel Platz für die Karnevalswagen, die Narren, die Händler und Logen, viel Grün, weit weg von den Wohnhäusern, Krankenhäusern, Einzelhändlern und historischen Denkmälern? Was wäre mit einer Karnevalsroute auf der Avenida Paralela vor dem CAB und um das Denkmal von Luiz Eduardo Magalhães herum?

Das wäre organisierter, weniger beengt, würden nicht unseren historischen Denkmälern schaden und noch dazu würde man diese für solche Touristen frei lassen, die nach Salvador kommen, um sie zu sehen. Ausserdem stünden mehr Parkplätze und Zugänge zur Verfügung, der Karneval wäre einer grösseren Zahl von Menschen zugänglich und vor allem weit weg vom Strand. 

Ein Karneval nur um des Karnevals Willen - ohne negative Auswirkungen. Alles spricht dafür! Wenn Antonio Carlos Magalhães noch am Leben wäre, hätte er sich sicher dieser Idee angenommen und die Karnevalsroute hätte sogar schon einen Namen. Wer weiß ihn??

 

Bernardo Mussi am Strand Farol da Barra. Foto: José Augusto

Bernardo Mussi am Strand Farol da Barra. Foto: José Augusto



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